Jacques Tilly im Atelier. Foto: Ricarda Hinz.

Jacques Tilly, Wagen und Widerstand

Ausstellung im Kunstmuseum Bonn, 29.11.2026 – 14.03.2027.

Was passiert, wenn gesellschaftliche Kritik auf künstlerische Zuspitzung trifft? Parallel zum Ausstellungsprojekt Freiräume. Zwischen Wandel und Widerstand (26.11.2026 – 14.03.2027) präsentiert das Kunstmuseum eine Sonderausstellung mit dem renommierten Satiriker und Künstler Jacques Tilly (*1963 in Düsseldorf). Sie thematisiert die Bedeutung des Karnevals als zentralen gesellschaftlichen Freiraum unserer Demokratie.

In einer Zeit, in der Debattenräume zunehmend enger werden, widmet sich diese Schau dem Kern von Tillys Schaffen: dem Kampf um die Freiheit von Provokation, Kritik und künstlerischer Zuspitzung. International bekannt wurde Tilly durch seine oft drastischen Entwürfe für den Düsseldorfer Rosenmontagszug, die weltweit Aufmerksamkeit erregen. Für die Ausstellung verwandelt der Künstler das Museum in ein Laboratorium der Kritik und des Widerstands.

"Tillys Werk ist eine plastische Chronik unserer demokratischen Auseinandersetzungen. Er kommentiert gesellschaftlichen Wandel mit der Schärfe eines genauen Beobachters und nutzt dabei den Karneval als politischen Freiraum, in dem die Machtverhältnisse radikal umgekehrt werden", so Dr. Claudia Emmert, Intendantin des Kunstmuseums und Kuratorin der Ausstellung.

Die Ausstellung macht sichtbar, wie Tilly die Tradition der Narrenfreiheit ins 21. Jahrhundert übersetzt. Seine Wagen und Figuren greifen politische Machtstrukturen, religiöse Institutionen und gesellschaftliche Missstände auf – pointiert, humorvoll und kompromisslos. Damit stoßen sie Debatten an, die weit über den Karneval hinausreichen, und erinnern an die Relevanz von Meinungsfreiheit und Kritik in einer offenen Gesellschaft. Zu sehen sind Modelle seiner Großplastiken aus verschiedenen Jahrzehnten, Entwurfszeichnungen sowie Fotografien, Filme und Presseberichte. Die Präsentation reicht von Arbeiten aus der Zeit der Bonner Republik und des geteilten Deutschlands bis zu aktuellen internationalen Reaktionen auf sein Werk – begeisterte Zustimmung, aber auch Proteste, Zensurversuche und staatliche Verfolgung.

Jacques Tilly, geboren 1963 in Düsseldorf, studierte Kommunikationsdesign und prägt seit den 1980er Jahren das Bild des politischen Karnevals. Mit seinen international beachteten Motivwagen zählt er zu den bekanntesten satirischen Künstlern Deutschlands. Ein Moskauer Gericht verurteilte den Künstler am 2. April 2026 zu einer Haftstrafe von 8,5 Jahren wegen „Verunglimpfung von Staatsorganen“ und vierjährigem Arbeitsverbot.

Der Künstler wird zur Eröffnung anwesend sein und über die befreiende Kraft der Satire sprechen.


Kuratorin der Ausstellung: Dr. Claudia Emmert, Intendantin Kunstmuseum Bonn

Katalog Parallel zur Ausstellung erscheint ein Katalog:
Jaques Tilly: Wer hat Angst vor Pappmaché?, Alibri 2026, 160 Seiten, gebunden, Verkaufspreis 20 €

Eröffnung Sonntag, 29.11., 11:30 Uhr (freier Eintritt bis 14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich)
im Anschluss Konferenz: Karneval und Kunstfreiheit, in Kooperation mit dem Gustav-Stresemann-Institut (Teilnahme frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich)

Pressekontakt Ruth Eising (extern), T 0228-25987582, mobil: 0160-1564308, r.eising@re-book.de
Clemens Scheuermann, T 0228-776209, clemens.scheuermann@bonn.de

Presserundgang Freitag, 27.11., 11 Uhr, Anmeldung erforderlich.

Pressematerial https://www.kunstmuseum-bonn.de/de/presse/