Herlinde Koelbl, Fadenkreuze für das Leben, 2025. © Herlinde Koelbl.

Herlinde Koelbl, Fadenkreuze für das Leben

Ausstellung im Kunstmuseum Bonn, 08.11.2026 – 16.05.2027

Das Kunstmuseum Bonn präsentiert erstmals die neueste Werkserie der international renommierten Künstlerin Herlinde Koelbl. Die eindringliche Ausstellung umfasst Porträts und Gesprächsaufzeichnungen von 40 krebserkrankten Menschen. Mit ihren Arbeiten bricht Koelbl gesellschaftliche Tabus und rückt eine Volkskrankheit in den Fokus der künstlerischen Auseinandersetzung.

Koelbl erkrankte 2019/2020 selbst an Krebs und musste sich Chemotherapie, Operation und Bestrahlungen unterziehen. Besonders das auf ihren Körper gezeichnete Fadenkreuz der Strahlentherapie beschäftigte sie sehr. In der Folge suchte sie Patientinnen und Patienten unterschiedlicher Herkunft und Alters, die Ähnliches erlebt hatten. Sie führte Gespräche mit den Betroffenen und fotografierte deren Markierungen – sogenannte Radiotherapie-Fadenkreuze, die Ärzten zur präzisen Ausrichtung der Bestrahlung dienen und somit Leben retten.

"Als ich selbst diese Markierungen bekam, erinnerte mich das an mein zuvor abgeschlossenes Fotoprojekt Targets beim Militär, für das ich in fast 30 Ländern Schießziele und Fadenkreuze fotografiert hatte. Dort dienen sie dem Töten, in meinem Fall dienten sie dem Überleben. Diese starke Ambivalenz ließ mich nicht los und wurde zum Ausgangspunkt meiner künstlerischen Auseinandersetzung. Im Zentrum stehen die Strahlentherapie, die Markierungen und vor allem die Menschen und ihre Geschichten", so Herlinde Koelbl.

In intimen Gesprächen öffneten sich Menschen jeden Alters und aller sozialen Schichten der Künstlerin. Sie erzählten von Angst und Hoffnung, von körperlichen und seelischen Veränderungen, von gewandelten Beziehungen, aber auch von Zuversicht und neuen Perspektiven. Die bewegenden Porträts, die Koelbl nach einer Phase der Erholung von den Teilnehmenden schuf, spiegeln diese existentiellen Erfahrungen wider. So entstand eine berührende Dokumentation von menschlicher Verletzlichkeit und existentieller Stärke.

"Für viele der Beteiligten war das Sprechen darüber selbst ein wichtiger Schritt. Sie möchten dazu beitragen, dass offener über Krebs gesprochen wird – ohne Scheu, ohne Ausweichen, als selbstverständlicher Teil des Lebens", erklärt Koelbl.


Herlinde Koelbl ist Fotografin, Dokumentarfilmerin, Autorin und eine der renommiertesten Vertreterinnen für zeitgenössische Fotografie in Deutschland. Ihre Projekte sind oft Langzeitstudien, die Menschen in den Mittelpunkt stellen und oft an gesellschaftlichen Tabus rütteln. Ihr bekanntestes Werk ist Spuren der Macht (seit 1991). Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise, zuletzt 2025 den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst.

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und die Stiftung Deutsche Krebshilfe sind Kooperationspartner des Kunstmuseums Bonn im Rahmen der Ausstellung "Herlinde-Koelbl. Fadenkreuze für das Leben".


Zur Ausstellung erscheint das Buch Fadenkreuze für das Leben von Herlinde Koelbl im Herder Verlag, mit Beiträgen von Horst Bredekamp und Daniel Zips.

Kuratorin der Ausstellung ist Dr. Claudia Emmert.

Die Eröffnung ist am Sonntag, den 08.11.2026, 11:30 Uhr (freier Eintritt zur Eröffnung, keine Anmeldung erforderlich).

Pressekontakt:
Ruth Eising (extern), 0228 25987582 und 0160 1564308, r.eising@re-book.de
Clemens Scheuermann, 0228 776209, clemens.scheuermann@bonn.de

Presserundgang: Freitag, 06.11.2026, 11 Uhr, Anmeldung erforderlich
Weiteres Pressematerial: https://www.kunstmuseum-bonn.de/de/presse/