Kunstmuseum Bonn, 26.11.2026 – 14.03.2027.
"Another world is not only possible, she is on her way." (Arundhati Roy, War Talk, 2003)
Mit neun internationalen nicht-weißen Künstlerinnen thematisiert die Ausstellung im Kunstmuseum Bonn Freiräume des Denkens und Handelns, die neue Perspektiven auf Zukünfte der Versöhnung eröffnen.
Angesichts unserer immer diverser werdenden Gesellschaften hat das Kunstmuseum Bonn neun internationale nicht-weiße Künstlerinnen mit eigener oder familiärer Migrations-geschichte eingeladen, in raumgreifenden, multimedialen und überwiegend für diese Ausstellung entwickelten Arbeiten ganz unterschiedliche Freiräume, ihre Gefährdungen und ihre Widerständigkeit zu verhandeln. Sie blicken auf den globalen Norden und die westlichen Demokratien mit anderen Augen, denn sie reflektieren auch das Unrecht, das ihre Familien und sie selbst erlitten haben. Dabei schaffen sie Räume, in denen eine andere – vor allem versöhnlichere – Welt sichtbar wird.


Die Künstlerinnen begreifen Freiräume nicht nur als Orte der Zuflucht, sondern als Zonen der Aushandlung und der Fürsorge, des Widerstands und der kollektiven Imagination. Sie antworten auf historisches oder aktuelles Unrecht mit Ritualen der Heilung, der Reinigung und des Übergangs in eine andere Zeit. Manche Arbeiten erweitern den klassischen, anthropozentrischen Begriff des Freiraums, indem sie sich auf konkrete Wissenstraditionen berufen – etwa auf kongolesische Ritual-Praktiken zur kollektiven Verhandlung von Schuld und Gerechtigkeit, oder auf die Kosmologien indigener und afrodiasporischer Flussgemeinschaften Lateinamerikas, in denen Wasser nicht als Ressource, sondern als politisches Subjekt verstanden wird. Andere organisieren im Ausstellungsraum temporär die Hierarchie zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung neu, indem sie Kommunikation über Vibration, Berührung, Rhythmus und Klang statt über Sprache und Sehen vermitteln. Der Freiraum entsteht hier zwischen Sinnen, die keiner Klassifizierung unterliegen.
Die Besucher:innen betreten acht immersive Räume und sind dort immer wieder als handelnde Akteure gefragt, sei es in einer Gaming Situation in Shisha-Bars oder durch ritualisiertes Einschlagen von Nägeln. Auf diese Weise schafft das Museum einen Freiraum für die Entstehung gemeinschaftlicher Narrative der Verständigung. Die gezeigten künstlerischen Positionen regen zum Perspektivwechsel an, fördern differenzierte Haltungen und entwerfen neue Zukunftsbilder. Die Schau unterstreicht, dass Freiräume für eine demokratische Gesellschaft unverzichtbar sind.
Durch die gemeinsame Co-Kuration zwischen der Museumsdirektorin Dr. Claudia Emmert und der Künstlerin und Kunstprofessorin Anna Ehrenstein entstand ein prozessbasiertes Projekt, das einen aktiven Austausch, Dialog und gegenseitige Bezugnahmen zwischen den Künstlerinnen ermöglicht. Der intergenerationelle Charakter, das Arbeiten über unterschiedliche künstlerische Sprachen hinweg und die enge Verzahnung von institutioneller Herangehensweise (Intendantin) und künstlerischer Praxis (Artist as Curator) zeichnen dieses Projekt inhaltlich wie methodisch aus.
Teilnehmende Künstler:innen:
Tania Bruguera, Carolina Caycedo, Anna Ehrenstein (Co-Kuratorin der Ausstellung), Patricia Kaersenhout, Mire Lee, Sara Sadik, Cemile Sahin, Ebun Sodipo und Keiken.
Die Ausstellung wird gefördert durch: Stiftung Kunst der Sparkasse in Bonn, Dr. Stephan Oehmen- Stiftung für moderne und zeitgenössische Kunst und das British Council.
Kuratorinnen der Ausstellung:
Dr. Claudia Emmert, Intendantin Kunstmuseum Bonn
Prof. Anna Ehrenstein, Künstlerin und Professorin für Fotografie im Feld der zeitgenössischen Kunst, HGB Leipzig
Eröffnung Mittwoch, 25.11.2026, 19 Uhr (freier Eintritt zur Eröffnung, keine Anmeldung erforderlich)
Pressekontakt:
Ruth Eising (extern), T 0228-25987582, mobil: 0160-1564308, r.eising@re-book.de
Clemens Scheuermann, T 0228-776209, clemens.scheuermann@bonn.de
Presserundgang am Dienstag, 24.11.2026, 11 Uhr, Anmeldung erforderlich
Pressematerial https://www.kunstmuseum-bonn.de/de/presse/
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.