Weltraum und Weltflucht seit der Moderne, Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 10. Juli 2026 bis 10. Januar 2027.
Der Kosmos ist seit jeher Projektionsfläche für Sehnsüchte, Träume und Ausstiegsfantasien – lange bevor Akteure wie Elon Musk oder Jeff Bezos den "Wettlauf ins All" wirtschaftlich und politisch neu beleben. Der Blick in den Himmel eröffnet Vorstellungen von Weltflucht und Neuanfang, wirft Fragen nach dem Ursprung des Lebens auf und relativiert die vermeintliche Überlegenheit des Menschen. Zugleich kann der Perspektivwechsel ein Gefühl der Verbundenheit mit der Natur, den Elementen und dem größeren Ganzen stiften. In Zeiten globaler Krisen – von Kriegen über Klimakatastrophen bis hin zu wachsender Ungleichheit – gewinnt diese Sehnsucht erneut an Dringlichkeit.
Die Ausstellung Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne zeigt in knapp 100 Arbeiten aus Malerei, Skulptur, Fotografie sowie Video- und Rauminstallationen, wie sich der Blick auf den Weltraum und die utopischen Spiegelungen in der Kunst im Laufe der Zeit verändert haben. Die von Direktorin Dr. Julia Wallner kuratierte Ausstellung ist auf der ersten Ausstellungsebene und den Außenflächen des Arp Museums zu sehen. Sie beginnt mit Werken aus der Romantik, setzt einen Schwerpunkt in den 1920er-Jahren und reicht bis zu zeitgenössischen, teils eigens für die Ausstellung entstandenen Arbeiten, unter anderem von Yael Bartana, Dominique Gonzalez-Foerster, Bjørn Melhus, Katharina Sieverding, Mona Schulzek und Emma Talbot.


Utopische Spiegelung
Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein weit verbreitetes Krisenempfinden angesichts der Fragilität unseres Planeten sowie einer zunehmend instabilen gesellschaftlich-politischen Ordnung, die auf Freiheit, Frieden und Verständigung gründet. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch: Solche Erfahrungen sind kein Ausnahmezustand, sondern ein wiederkehrendes Motiv. Kunst kann in solchen Momenten alternative Perspektiven eröffnen. Sie begreift den Kosmos als Sehnsuchtsort, als Bühne für Spiel, Freiheit und experimentelle Grenzüberschreitungen. Unter dem Motto "weniger Science, mehr Fiction" entwirft die Ausstellung visionäre Bilder, die menschliche Hybris befragen.
Vom Sternenhimmel zu den Maschinenmenschen der 1920er-Jahre
In der Romantik prägte der sehnsuchtsvolle Blick in die Nacht und aus dem Fenster die künstlerische Vorstellung vom Kosmos, etwa in Johann Peter Hasenclevers "Die Sentimentale" von 1846/47. Ab 1900 weitete sich der Blick ins All in der Kunst deutlich aus. In der Theorie war es denkbar geworden, den Weltraum zu bereisen. Beflügelt von den Erkenntnissen der Wissenschaft und den neuen technischen Bildwelten, entstanden Werke, die im Geiste der Revolution mit der realen Welt brachen. Beispiele finden sich in den abstrakt-konstruktivistischen Bildern von Sophie Taeuber-Arp (1889–1943) und El Lissitzky (1890–1941) oder in den technikbegeisterten Skulpturen von Alexander Rodchenko (1891–1956).
Die Angst ums Überleben und der Zweifel an der Rationalität der Welt erlangte im Zusammenhang der Weltkriege neue Dimensionen, die sich in Dada und Surrealismus niederschlugen, etwa bei Hans Arp, Joan Miró oder den entrückten Landschaften von Yves Tanguy. Bereits in den 1920er-Jahren experimentierten die Künstlerinnen und Künstler mit Mischwesen, schrillen Körperbildern und liquiden Zuständen. Besonders auf Bühnen und im Tanz wurde der Kosmos zur Vorstellung einer freieren Welt jenseits der Schwerkraft. Ein Beispiel dafür sind die inzwischen viel gereisten Tanzmasken und Bühnenkostüme von Lavinia Schulz.
Begegnungen in der Gegenwart
Yael Bartanas (*1970) für die Ausstellung entstandene Videoarbeit knüpft an ihre 2024 für den Deutschen Pavillon der Venedig-Biennale entwickelte Arbeit "Light to the Nations" an. Ein Raumschiff, das der Reparatur und Heilung der Welt dienen soll, verbindet darin Flucht, Optimismus und gesellschaftliches Engagement. Ein 186-minütiges Video von Katharina Sieverding (*1941), das auf Satellitenaufnahmen der NASA von der Sonne basiert, macht die Kraft des Kosmos unmittelbar erfahrbar. Sylvie Fleury (*1961) dagegen kommentiert mit ihrem Objekt "First Spaceship on Venus - Soft Rocket" humorvoll die menschliche – in diesem Fall vielleicht eher männliche - Hybris, den Weltraum zu bereisen und sich den Kosmos untertan zu machen. Die Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster (*1965) lädt schließlich mit dem eigens für die Ausstellung geschaffenen begehbaren Panorama "Cosmirama" zu der Vorstellung einer Begegnung mit außerirdischem Leben ein.
Ab Juli 2026 ist die künstlerische Auseinandersetzung und oft visionäre Bearbeitung der Fragen um das Zusammenleben in der Zukunft für sechs Monate im Richard-Meier-Bau zu entdecken, der selbst wie eine futuristische Raumstation auf den Höhenzügen des Rheintals wirkt.
Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne
Pressekonferenz: Donnerstag, 9. Juli 2026, 11 Uhr
Eröffnung: Freitag, 10. Juli 2026, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 10. Juli 2026 – 10. Januar 2027
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