Kunst und Arbeitskampf im Kunstmuseum Gelsenkirchen, 13. Juni bis 4. Oktober 2026
Mit Radikale Hoffnung eröffnet das Kunstmuseum Gelsenkirchen am 12. Juni 2026 eine thematische Gruppenausstellung, die Verbindungen von Kunst und Arbeitskampf sowie künstlerischer Praxis und gesellschaftlichen Konflikten sichtbar macht. Im Zentrum stehen klassische Arbeiterstreiks und ihre künstlerischen Interpretationen, die von künstlerischen Streikformen bis zur Auseinandersetzung mit der Frage reichen, wer überhaupt streiken kann und darf. Die von Julia Höner (Kunstmuseum Gelsenkirchen) und Friederike Sigler (Universität Wien) kuratierte internationale Schau zieht eine Linie von der frühen Moderne bis in die Gegenwart. In der Ausstellung werden die Kunstwerke durch Archivmaterialien und Objekte aus Industriemuseen der Region ergänzt, durch die Wechselwirkungen zwischen politischer Aktion und Kunst anschaulich werden.
Die Reichweite und Brisanz des Themas verdeutlichen die künstlerischen Positionen, die im Rahmen von Radikale Hoffnung gezeigt werden: Sie reflektieren verschiedene Aspekte des Arbeitens innerhalb kapitalistischer Produktions- und Verwertungslogiken und die Bedingungen,
die auch ihr eigenes Entstehen betreffen. Dabei liefert die Streikgeschichte des Ruhrgebiets mit dem Niedergang der Kohle- und Stahlproduktion und als Schauplatz feministischer Praxis wichtige Bezugspunkte der Ausstellung. Das zeigt sich in den 1970er Jahren zum Beispiel in der Region im Kampf der "Heinze-Frauen" oder in Italien in der "Lohn für Hausarbeit"-Kampagne. Hingegen beschäftigen sich Aktionen von Künstler*innen wie Gustav Metzger mit der Abhängigkeit als Arbeiter*innen von ihren Arbeitergeber*innen: den Galerien, den Museen, den Kunstakademien.
Das Kunstmuseum Gelsenkirchen bezieht für Radikale Hoffnung auch Kunstwerke aus der eigenen Sammlung in die Ausstellung ein, darunter Grafiken von Käthe Kollwitz und Werke des Künstlers Takis, der sich 1969 in New York mit der Art Workers’ Coalition für eine gewerkschaftsähnliche Organisierung von Künstler*innen einsetzte.
Radikale Hoffnung bündelt vielfältige Perspektiven in Bezug auf den Kampf um Arbeiter*innenrechte und vergegenwärtigt die anhaltenden Auseinandersetzungen um faires Entgelt für abhängige Lohnarbeit, unterbezahlte freiberufliche künstlerische Arbeit und gänzlich unbezahlte Care-Arbeit. Das breite Spektrum an Exponaten aus verschiedenen Jahrzehnten, Regionen und Kontexten unterstreicht die Aktualität dieser Thematik auf lokaler und internationaler Ebene. Die zentrale Gemeinsamkeit der ausgestellten künstlerischen und aktivistischen Praktiken ist, dass sie zeigen, wie der Kampf um eine bessere Arbeit auf unterschiedliche Weise zum Schauplatz radikaler Hoffnung sein und werden kann.
Mit Arbeiten von Juan Pérez Agirregoikoa, Jeremy Deller, Künstler*innenkollektiv Claire Fontaine, Milli Gandini, Nicolás Guagnini, Käthe Kollwitz, Lee Lozano, Anna Malagrida, Irène Mélix, Gustav Metzger, Malgorzata Mirga-Tas, Jean-Luc Moulène, Mariuccia Secol, Selma Selman, Takis, Nicole Wermers sowie Streikobjekten aus lokalen und internationalen Protestbewegungen.
Terminliche Hinweise:
"Radikale Hoffnung"
Presserundgang: 10.06.2026 um 11 Uhr
Eröffnung: 12.06.2026 um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 13.06.-04.10.2026
Kunstmuseum Gelsenkirchen, Horster Straße 5-7, 45897 Gelsenkirchen