Das Kunstmuseum Gelsenkirchen richtet eine umfangreiche Retrospektive zum Werk von Rolf Glasmeier aus.
Unter dem Titel "Rolf Glasmeier: Frieden im Kopf" eröffnet das Kunstmuseum Gelsenkirchen am 16. November 2025 eine umfangreiche Retrospektive, die dem Künstler, Grafiker und Ausstellungsmacher Rolf Glasmeier (1945-2003) gewidmet ist. Die enge Verknüpfung von Kunst und Alltag, typisch für Glasmeier und seine Zeit, ist Ansatz der Ausstellung mit über 140 Werken aus institutionellen und privaten Sammlungen. So zeigt die Schau ausgehend von Glasmeiers interaktiven Reliefbildern und -objekten, mit denen er in den 1960er-Jahren international Bekanntheit erlangte, eine Übersicht seines vielseitigen Schaffens – mit bislang nie gezeigten Arbeiten. Darüber hinaus stellt das Kunstmuseum Gelsenkirchen Glasmeiers Agieren innerhalb lokaler und europäischer Künstler*innen-Netzwerke wie im Rahmen der "Neuen Tendenzen" heraus und bekräftigt damit unter anderem seinen Beitrag zu Op Art und Kinetischer Kunst.


Rolf Glasmeier, der 1945 in Pewsum bei Emden geborenen wurde, absolvierte in den frühen 1960er-Jahren eine Ausbildung als Schriftsetzer in Gelsenkirchen, bevor er sich für ein Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung Ulm unter Otl Aicher einschrieb. Im Umfeld der HfG Ulm, das demokratische Werte durch klare und soziale Gestaltung vertrat, entwickelte Glasmeier konstruktiv-konkrete Formstudien, die in seine "Kaufhaus-Objekte" mündeten: häufig quadratische Reliefbilder, die er aus industriell gefertigten Alltagsgegenständen wie Briefkastenklappen, Lichtschaltern oder Metallscharnieren montierte. Diese Objets trouvés ordnete er in seriellen Strukturen auf dem Bildgrund; infolge entwickelte Glasmeier nach demselben Prinzip freistehende Objekte. Als besondere Kategorie der "Kaufhaus-Objekte" sind seine Spielobjekte partizipativ angelegt und in ihrer Erscheinung variabel: denn Glasmeier lud ihre Betrachter*innen ein, die Werke eigenhändig zu verändern, ihrer Funktion entsprechend zu gebrauchen. Seine der Konkreten und Kinetischen Kunst wie auch der Pop- und Minimal Art nahestehenden Werke nehmen eine zentrale Rolle in der Gelsenkirchener Ausstellung ein.
In den 1970er-Jahren erweiterte Rolf Glasmeier seinen künstlerischen Bezug zu Gesellschaft und Umwelt durch einen Wechsel in Material und Formfindung: Assemblagen und Installationen aus Fundstücken wie Verpackungen, Konsumresten oder natürlichen Werkstoffen wie Holz, Textil und organischem Material. Seine Arbeiten im öffentlichen Raum, wie der in Primärfarben bemalte Gasspeichers auf der Emscherinsel "Der Ball" (1985) reagieren auf vorgefundene Situationen und begründen ein eigenes Kapitel der Landart im Ruhrgebiet. Die Ausstellung richtet deshalb einen weiteren Schwerpunkt auf Rolf Glasmeiers prozessorientierte Arbeiten und macht dazu ergänzend Modelle und Skizzen zugänglich. Rauminstallationen wie seine "Meditationsoasen", die Denken und Fühlen adressieren sollten, werden durch fotografische und filmische Dokumentation vermittelt.



Rolf Glasmeiers ganzheitliches Denken prägte zunehmend (und verstärkt durch seine Zuwendung zu Spiritualität und Schamanismus) sein Spätwerk, das mit Aktionen im öffentlichen Raum wie mit "Frieden im Kopf" (1984) gesellschaftspolitische Verhältnisse durch gemeinsames Handeln in den Blick nahm. Hierunter zählt auch Rolf Glasmeiers Tätigkeit als Organisator von Ausstellungen und interdisziplinären Symposien und Förderer von Künstler*innen seiner Zeit. Die Ausstellung dokumentiert die Vielfalt seiner Aktionen.
"Rolf Glasmeier: Frieden im Kopf" eröffnet auch neue Perspektiven auf Rolf Glasmeiers grafisches und fotografisches Schaffen. So zeigt das Kunstmuseum Gelsenkirchen in Kabinetten Glasmeiers Fotografien und grafische Arbeiten aus dem freien und angewandten Bereich wie seine Plakatgestaltungen. Erstmals erhält das zeichnerische Werk des Künstlers in einer Ausstellung eine eigenständige Aufarbeitung.
Teile des Nachlasses von Rolf Glasmeier, der 2003 in Gelsenkirchen verstarb, wurde 2006 von der Stiftung für Konkrete Kunst und Design Ingolstadt übernommen, womit eine Ausstellung zu seinem Werk einherging. Das Kunstmuseum Gelsenkirchen erweitert nun den Blick auf den Künstler und hebt nicht nur seine Bedeutung für die Kunstregion Ruhr, sondern für den Diskurs seiner Zeit hervor.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen und Textbeiträgen (Deutsch/Englisch) von Michael Glasmeier, Julia Höner, Barbara Martin, Vanessa Joan Müller und Denise Wegener im Snoeck Verlag, Köln, 160 Seiten.
Die Ausstellung wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.
Terminliche Hinweise:
"Rolf Glasmeier: Frieden im Kopf"
Pressekonferenz: Mittwoch, 12.11.2025 um 11 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 16.11.2025 um 12 Uhr
Ausstellungsdauer: 16.11.2025 - 08.03.2026
Kunstmuseum Gelsenkirchen, Horster Straße 5-7, 45897 Gelsenkirchen
Geöffnet: Di-So 11-18 Uhr
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