Laurenz Berges, Depot, 2013. C-Print, 16-teilige Serie, Museum Morsbroich, Leverkusen. VG Bild-Kunst, Bonn 2025.

"the good in the pot, the bad in the crop. The Storage / Die Sammlung."

Museum Morsbroich, Leverkusen, 31. August 2025 – 11. Januar 2026.

Die Ausstellung "the good in the pot, the bad in the crop. The Storage I Die Sammlung" stellt die Hierarchisierung von Kunstwerken innerhalb der eigenen Sammlung zur Diskussion. Gezeigt werden Werke aus der Sammlung des Museums Morsbroich, die seit vielen Jahren in den Depots lagern. Ihnen werden exemplarisch Werke gegenübergestellt, die häufig in Ausstellungen gezeigt werden. Thematisiert werden Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten, ein ehrlicher Einblick in die beinahe 75jährige Sammlungsgeschichte von Morsbroich – zwischen
progressiven Ankaufsentscheidungen und vertanen Chancen, repräsentativen Aushängeschildern und vergessenen Lagerwerken, mutiger Haltung und radikaler Sparpolitik.

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen?

Die Ausstellung "the good in the pot, the bad in the crop. The Storage I Die Sammlung" öffnet die Depottüren von Morsbroich.

Anlass zur Ausstellung ist der im Januar 2025 begonnene Umzug der Kunstsammlung des Museum Morsbroich in ein externes Kunstlager. Einher ging die intensive Beschäftigung mit der Sammlung, die mit der Gründung des Museums seit den frühen 1950er-Jahren aufgebaut wurde und bis in die Gegenwart reicht. Die Kunst zog aus, zurück blieben ein ungutes Gefühl und Fragen. Warum werden bestimmte Kunstwerke aus der Sammlung immer wieder ausgestellt, während andere seit Jahrzehnten in den Depots lagern und somit für die Allgemeinheit unsichtbar bleiben? Lässt sich Kunst nach simplen Kriterien in gut und schlecht, in ausstellungswürdig und nicht ausstellungswürdig kategorisieren und wenn ja, auf welcher Basis werden diese Entscheidungen getroffen? Sind die "Lager-Werke" gesellschaftlich und kunsthistorisch weniger relevant? Oder folgt die regelmäßige Präsentation bestimmter Werke indirekt (und mitunter unbewusst) einem verbreiteten, aber überholten Kunstkanon, der auch die eigenen kuratorischen Entscheidungen beeinflusst?

Das Sammeln von Kunst zählt zu den Kernaufgaben eines Museums. Die Sammlung trägt maßgeblich zur Identität eines Hauses bei, bildet die Basis seiner Ausrichtung und steht exemplarisch für seine Haltung und Werte – zumindest im idealen Fall. In der Realität sind Kunstsammlungen wie im Fall von Morsbroich durch fehlende Ankaufsetats einem zwangsläufigen Alterungsprozess ausgesetzt, und ihr größter Teil lagert abgeschirmt und vor der Öffentlichkeit verborgen in Depots. Nur ausgewählte Werke finden über Dauer- oder Wechselausstellungen ihren Weg in die Öffentlichkeit. Dabei kommt häufig einzelnen Kunstwerken oder umfangreicheren Konvoluten einer Kunstströmung, eines Künstlers oder im seltensten Fall einer Künstlerin, die Funktion von Stellvertretern zu.

Die Unterscheidung zwischen vermeintlichen Hauptwerken und jenen Werken, die selten oder nie gezeigt werden, führt zwangsweise zu einem Ungleichgewicht. Die damit einhergehende Hierarchisierung innerhalb der eigenen Sammlung stellt die Ausstellung "the good in the pot, the bad in the crop. The Storage / Die Sammlung" zur Diskussion, indem sie diese zeitweise aufhebt. Gezeigt werden Werke aus der Sammlung des Museum Morsbroich, die seit vielen Jahren in den Depots lagern. Ihnen werden exemplarisch Werke gegenübergestellt, die häufig in Ausstellungen gezeigt werden. Ziel ist sichtbar zu machen, was nicht sichtbar war – auch, was nicht sichtbar ist. Jede Gegenwart wird einmal historisch und mit ihr überholte Normen, Werte und Ideale.

Prolog: 75 Jahre Museum Morsbroich

2026 feiert das Museum Morsbroich, das am 27. Januar 1951 als erstes neu gegründetes Museum für Gegenwartskunst in der jungen Bundesrepublik eröffnete, sein 75jähriges Jubiläum. Die Ausstellung versteht sich als Prolog zum Jubiläumsjahr und gibt Anlass von heute aus in die Geschichte von Morsbroich zurückzublicken, ebenso wie nach vorne zu schauen.

Mit Arbeiten von Rimma Arslanov, Joachim Bandau, Stojan Batič, Laurenz Berges, Joseph Beuys, Hans-Joachim Bleckert, Julius Bretz, Ursula Burghardt, Hal Busse, Cihan Çakmak, Jože Cihua, Mario Deluigi, June Dobashi, Mic Enneper, Robert Filliou, Helga Föhl, Lucio Fontana, Tsuguharu-Léonard Foujita, Xaver Fuhr, Ernst Geitlinger, Isa Genzken, Gerhard von Graevenitz, Vera Haller, Barbara Hepworth, Peter Herkenrath, Jochen Hiltmann, Karl Hofer, Ward Jackson, Ed Kiёnder, Yves Klein, Norbert Kricke, Karolus Lodenkämper, Michel Majerus, François Morellet, Nando Nakamura, Louise Nevelson, Otto Piene, Norbert Prangenberg, Judith Reigl, Dieter Roth, Alexej von Jawlensky, Gerhard Richter, Oskar Schlemmer, Bernard Schultze, Takis, Günther Uecker, Ben Vautier, Ursula (Schultze-Blum), Günter Weseler, Xiang Xiaoli u.a.

Kuratorin der Ausstellung: Thekla Zell